Helden-Mut

„Was die alles schon in ihrem jungen Leben durchmachen mussten!“, sagt eine Mutter zu mir und beobachtet dabei unsere beiden Söhne (beide im Kindergartenalter), wie sie im Sandkasten zusammen buddeln.

„Echt jetzt?“

Das ist die erste Frage, die mir durch den Kopf schießt. Durch den Bauch fährt mir zeitgleich ein Grummeln und eine kleine heiße Zorneswelle bahnt sich ihren Weg über den Magen bis in meinen Hals – und bleibt dort stecken.

Ja es gab eine Zeit, da hatte ich dasselbe Gefühl des Mit-leidens und empfand wohl Bedauern für meine Mitmenschen: mit jenen, die im Rollstuhl sitzen, die ganz offensichtlich Spasmen erleiden, mit denjenigen die alt und gebrechlich werden, die sich den Fuß verletzt hatten etc.

Warum? Diese Frage stellen sich wahrscheinlich wenige, vielleicht sogar niemand, bis… bis du der Frage „WARUM“ nicht mehr aus dem Weg gehen kannst. Warum? Weil sie dich selbst betroffen macht. Weil du selbst oder einer deiner Liebsten betroffen bist.

Rheuma ist ein Beispiel. Es ist unser Thema und es traf uns unvorbereitet. Die Diagnose kam für meinen Sohn in seinem 2ten Lebensjahr.

Mein Leben wird durcheinandergewirbelt, meine Ansichten neu sortiert, meine Gefühle fahren Achterbahn und das jede Stunde in eine andere Richtung. Meine Wurzeln und Flügel, meine Träume und Hoffnungen, mein Glaube an Sicherheit und Geborgenheit werden auf die Probe gestellt… alle Möglichkeiten und Ängste werden wach und am Schluss bleibt die Frage nach dem Tod. Nach dem meines Kindes mit Rheuma und nach dem Tod von mir selbst…!

Was nun? Atmen fällt schwer, so schwer…für mich…

…und doch war es möglich:

Dank der Hände, die mich in dieser Zeit gehalten und gestützt haben. Dank meines Willens, diese Hände erfassen zu wollen, damit ich gestützt bin.

Atmen. Kraft nehmen. Los gehen.

Schritt. Für. Schritt.

Und am Ende stand die Frage nach dem Leben.

Wer den Tod durchdenkt, fängt mit dem Leben an.

Die Frage „Warum?“ erübrigt sich und dein Herz kann atmen, kann durch die andere Tür, durch die andere Perspektive hindurch die echte Alternative sehen:

„Was die schon alles in ihrem jungen Leben durchmachen mussten!“

Echt jetzt? Klar!

„Hey, meinst du die zwei lachenden Jungs da drüben? Darf ich dir erzählen, wie ich meinen Sohn sehe?“

Ich sehe meinen Sohn als HELD. Er meistert jeden Tag, jeden Moment aufs Neue. Tränen und Schmerzen gibt es. Ja – öfter, als es mir lieb ist. Er meistert diese Umstände mit mir zusammen – zusammen mit seiner Familie. Und seine grundsätzliche Freude am Leben ist nicht zu übertreffen. Deswegen feiern wir seinen Mut und sein Durchhaltevermögen. Wir feiern das Leben, wenn wir gerade Lust dazu haben und wir weinen, wenn es uns nötig erscheint… dann nehmen wir uns in den Arm. Sind da für einander. Für uns. Und sprechen uns Liebe und Geborgenheit zu. Denn das macht mutig. Denn das zeichnet Helden aus.

Du bist mein Held.

Und DU kannst es auch sein.

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